Die Schmiede im Herzen von La Tzintre

La Tzintre, vor 1930, Foto: Glasson, Musée gruérien Bulle

Im Herzen des Weilers La Tzintre in der Gemeinde Val-de-Charmey erzählt die Schmiede mehr als 150 Jahre ländlicher Geschichte. An diesem Ort, an dem sich Sennen, Händler und Maultiertreiber trafen, begleiteten Eisen und Feuer das Leben der Käseherstellung und der Alpwirtschaft.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist La Tzintre ein kleines Wirtschaftszentrum: In den Käsekellern lagern die Käselaibe von rund hundert benachbarten Alpweiden, die Bäckerei-Lebensmittelhandlung Villermaulaz versorgt den Weiler, die Herberge Les XIX Cantons bietet Erfrischungen und ist Treffpunkt, und die Schmiede kümmert sich um Pferde, Maultiere und landwirtschaftlichen Gerätschaften.

Die Schmiede, lebendiges Zeugnis des handwerklichen Know-hows des Tals

Die um 1870 gegründete Schmiede La Tzintre steht in der Tradition einer Zeit, in der Metall im Dienst der Bauern und Alpwirte stand. Der erste bekannte Hufschmied, Jacob Kaisermann, war bereits Ende des 19. Jahrhunderts dort tätig, als der Weiler dank des Käsehandels und des regen Verkehrs der Maultiertreiber einen Aufschwung erlebte. 1906 kündigte Louis Jolliet in der Zeitung La Gruyère seine Niederlassung an, was eine neue Etappe im Leben der Werkstatt einläutete. Der Erste Weltkrieg und wirtschaftliche Schwierigkeiten führten jedoch 1917 zu einer vorübergehenden Schliessung.

Im Jahr 1919 fand die Schmiede zu neuem Aufschwung: auf Einladung von Calybite Overney verliess Canisius Roos Jaun und die Schmiede seines Bruders, um die Schmiede von La Tzintre zu übernehmen. Die grossen Bauarbeiten am nahe gelegenen Staudamm von Montsalvens bieten damals zahlreiche Absatzmöglichkeiten: Reparatur von Werkzeugen, Beschlagen von Tieren, Wartung von Fuhrwerken und Maschinen.

Die Schmiede wird zu einem unverzichtbaren Ort des Weilers, wo man sich auch trifft, um Neuigkeiten auszutauschen und in der benachbarten Auberge des XIX Cantons gemeinsam etwas zu trinken.

Athanase und Canisius Roos, Samuel Glauser

Elektrizität steht für Modernität

Im Jahr 1920 veränderte die Einführung der Elektrizität das Handwerk: neu treibt ein Elektromotor eine Antriebswelle an, die über Lederriemen mit einer Schleifmaschine, einer Gewindeschneidmaschine, einer Motorsäge, einer Bohrmaschine und einem Fallhammer verbunden war. Das traditionelle Handwerk verband sich nun mit der Moderne, was eine bedeutende Entwicklung der Metallproduktion und -reparatur ermöglichte. Diese von Oscar Bugnard installierte Anlage ist noch heute in Betrieb.

Sich an Veränderungen anpassen

1953 übernimmt Athanase Roos – den alle Thanase nannten – die Nachfolge seines Vaters Canisius. Als Mann seiner Zeit passt er sein Know-how an die Veränderungen in der ländlichen Welt an: Pferde werden seltener, aber der Bedarf an Mechanik steigt. Er wurde Reparateur und Verkäufer von Fahrrädern und Mopeds der Marken Allegro und NSU, während er gleichzeitig die Familientradition der Eisenbearbeitung weiterführte.  

1998 löschte er zum letzten Mal den Feuerherd, aber sein Sohn Frédy sorgt dafür, dass die Schmiede so erhalten bleibt, alshätte der Hufschmied sie erst gestern verlassen, ganz nach dem Wunsch von Athanase. Die Schmiede von La Tzintre ist nach wie vor ein Wahrzeichen des Handwerks im Val-de-Charmey, geprägt von Leidenschaft und Präzision.

Die Schmiede kann besichtigt werden!

La Forge bietet auf Anfrage Führungen für Gruppen an. Einzelbesichtigungen werden zu festen Terminen organisiert.