Philippe Renevey

In der Schmiede von Charmey trifft man auf begeisterte Menschen, die mit Leidenschaft bei der Sache sind. Unter ihnen ist auch Philippe Renevey. Ein Mann mit einem ehrlichen Lächeln, einem festen Händedruck und einem Herzen so gross wie ein Schmiedeofen.

Sein Familienname hat Freiburger Wurzeln – sein Grossvater stammt aus Fétigny –, doch Philippe wurde am Fusse der Walliser Berge in Monthey geboren und wuchs dort auf. Dort, in der Werkstatt, in der sein Vater den Hammer schwang und Metall formte, wurde seine Leidenschaft für die Schmiedekunst geweckt. Eine Leidenschaft, die in der Wärme des Hauses weitergegeben wurde, in einer der letzten Werkstätten, in denen noch geschmiedet wurde, wo Philippe eine Ausbildung zum Schlosser und Konstrukteur absolvierte, Werkzeuge reparierte und historische Objekte restaurierte.

Aber dieser Schmied ist unruhig. Nach seiner Ausbildung macht er sich auf den Weg nach Irland, wo er auf einem Bauernhof arbeitet, dann geht er nach Zürich, um dort zu schmieden, bevor er nach Australien aufbricht! Er wollte nur ein paar Monate bleiben, blieb dann aber zwölf Jahre. Er gründete sein Eisenwarengeschäft, lernte seine zukünftige Frau kennen – eine Greyerzerin, die zufällig auf der anderen Seite der Welt war und ebenfalls auf Abenteuerreise war und wurde Vater von vier Töchtern. Das australische Kapitel endete mit einer viermonatigen Reise mit der Familie durch das Land und einer Rückkehr zu den Wurzeln im Jahr 1994.

Mit seiner ganzen Familie lässt er sich in Riaz nieder und entfacht das Feuer der Schmiede zu Hause wieder. Auch wenn es nicht einfach ist, in der Schweiz von seiner Kunst zu leben, gibt Philippe nicht auf. Tagsüber bearbeitet er Metall bei Progin SA in Bulle und abends schmiedet er in seiner Werkstatt. Aufträge, Kreationen, Restaurierungen: die Hammerschläge hallen immer noch wider.

Seine Begegnung mit Dominique de Buman auf einem Handwerksmarkt auf der Foire d'Albeuve markiert einen neuen Wendepunkt. Philippe tritt 2011 zusammen mit Frédy Roos und Paul Mooser der Abbaye des Maréchaux bei. In diesem Moment entsteht die Idee, die Flamme der Traditionen wieder zu entfachen. Als 2015 der Verein Vieille Forge de Charmey gegründet wurde, war Philippe natürlich mit von der Partie. Er engagiert sich mit Leidenschaft als Führer und Moderator, als Mitglied des Vorstands, als Organisator der Feierlichkeiten rund um Saint-Jacques und als Leiter von Einführungskursen für angehende Lehrlinge im Mettalbau und Schmiedewesen. Für ihn bedeutet die Weitergabe dieses überlieferten Wissens, ein kostbares Feuer zu bewahren, eine Kunst, die sowohl verbindet als auch begeistert.

Und seine Schmiede kühlt nie ab. Auch im Ruhestand bleibt Philippe eine Säule des Berufsstandes und ist Experte bei den EFZ-Prüfungen in Freiburg und Aarberg. In seiner Werkstatt in Riaz herrscht noch immer reges Treiben: Dort schafft er von der Natur inspirierte Werke – Blumen, Insekten, organische Formen. Vor jedem Projekt beobachtet, zeichnet und fantasiert er. Sein Rezept? Eine gute Portion Geduld, ein unfehlbares dreidimensionales Vorstellungsvermögen, ein scharfes Auge und viel Liebe zum Material.

Man kann nicht über Philippe sprechen, ohne seine unwiderstehliche Sammelleidenschaft zu erwähnen. Als wahrer Schmied der Erinnerung, restauriert und stellt er Tretautos, alte Waagen, Roller aus den 50er Jahren und Werkzeuge aller Art aus. Seine Werkstatt ist eine Fundgrube, in der jedes Objekt eine Geschichte hat und hinter Rost und poliertem Metall die kindliche Freude dessen zu erahnen ist, der den Dingen neues Leben einhaucht.

Wer nach Riaz kommt, machen Sie einen Abstecher in den Parc de la Libellule: dort sehen Sie ein 1,80 m grosses Exemplar, das direkt seiner Fantasie entsprungen ist. In Villarlod hat er ein historisches Schild wieder zum Leben erweckt, um die Auberge du Chevreuil zu schmücken.

Philippe Renevey ist einer dieser Menschen, die durch Abenteuer, Leidenschaft und Menschlichkeit geprägt sind. Ein Schmied mit grossem Herzen, ein Handwerker der Erinnerungen und ein Vermittler von Traditionen, der jeden Tag beweist, dass man mit ein wenig Feuer und viel Herz schöne Geschichten schreiben kann.